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Future Demands - Krebsversorgung im Jahr 2020

Die demographische Entwicklung auf der einen Seite sowie die Verbesserung der Diagnostik und Therapie von Krebserkrankungen auf der anderen Seite führen dazu, dass in Österreich in den nächsten Jahren 38 % mehr Menschen mit der Diagnose leben. Das stellt das österreichische Gesundheitssystem vor große Herausforderungen und erfordert zusätzliche Fachärzte – ergab die Studie „Future Demands“, über die Univ.-Prof. Dr. Hellmut Samonigg (MedUni Graz und Präsident der OeGHO) sowie Univ.-Prof. Dr. Bernhard Güntert (Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften, medizinische Informatik und Technik, Hall i.T.) berichten.

Die dominierenden Trends in der Versorgung von Krebspatienten bis zum Jahr 2020

Die Studie „Future Demands“, die 2013/14 im Auftrag der OeGHO von der Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften, medizinische Informatik und Technik (UMIT) erstellt wurde, zeigt alarmierende Szenarien auf: Die Zahl der Krebs-Neuerkrankungen ist in den meisten Altersgruppen zwar rückläufig. Die Zahl der Menschen, die mit der Diagnose Krebs leben, wird sich aber durch die zunehmende Alterung unserer Gesellschaft sowie durch verbesserte Therapiemöglichkeiten mit der in der Folge steigenden Überlebenswahrscheinlichkeit um 38 % erhöhen. Und das, obwohl Krebs bereits jetzt die zweithäufigste Todesursache ist und für rund ein Viertel der Sterbefälle verantwortlich zeichnet.

Im Detail: Die Wahrscheinlichkeit an Krebs zu erkranken, nahm seit dem Jahr 2000 innerhalb fast aller Altersgruppen signifikant ab. Die Inzidenzrate (Zahl der Neuerkrankungen) fiel von 465,3 Personen pro 100.000 Einwohner auf 461,7 im Jahr 2010. Und dieser Trend wird sich auch in Zukunft fortsetzen. Die Forscher der UMIT rechnen mit einer Rate von 451 im Jahr 2020.

Dennoch wird die Zahl der Menschen mit Krebs (Prävalenz) bei den meisten Krebsarten bis zum Jahr 2020 um 38 % ansteigen. Die Krebsmedizin hat die Erkrankung immer besser im Griff, und die Menschen leben länger mit ihrer Diagnose. In immer mehr Fällen gelingt die Heilung, und immer häufiger kann Krebs in eine chronische Erkrankung umgewandelt werden.

Gleichzeitig sehen wir uns mit einem demographischen Wandel konfrontiert. Die Österreicher werden immer älter. Und das hat zur Folge, dass insgesamt mehr Menschen parallel zu behandeln sind.

Auswirkungen auf das Gesundheitssystem

Diese Entwicklung stellt unser Gesundheitssystem vor enorme Herausforderungen. Denn der Bedarf an diagnostischen, therapeutischen und betreuerischen Leistungen für Krebspatienten nimmt deutlich zu, und das in allen Bundesländern. In weiterer Folge sind nicht nur steigende Kosten für Infrastruktur, medikamentöse und andere Therapien zu befürchten, sondern es könnte durch die knappen personellen Ressourcen auch zu Engpässen im Versorgungssystem kommen. Freilich betrifft dies nicht alle Bundesländer gleichermaßen, weil die Dichte und die Kapazitäten bei den Versorgungseinrichtungen unterschiedlich sind. Zu spüren wird der Bedarf aber überall sein.

Zusätzlicher Bedarf an Fachärzten

Im besonderen Maße werden Fachärzte für Innere Medizin mit Additivfach Hämatologie und internistische Onkologie gefordert sein, denen eine Schlüsselrolle in der Behandlung von Krebspatienten zukommt. Die Zahl dieser Spezialisten ist zwar seit dem Jahr 2005 österreichweit deutlich gewachsen (2005: 243 Fachärzte; 2012: 356 Fachärzte). Die prognostizierte künftige Nachfrage nach onkologischen Leistungen wird damit aber nicht zu decken sein.

Für das skizzierte Szenario würden wir 2020 in Österreich rund ein Drittel mehr Fachärzte benötigen. Wenn man zusätzlich noch berücksichtigt, dass bis dahin etwa 80 der heute tätigen Fachärzte in den Ruhestand treten, erhöht sich der Bedarf an entsprechend kompetenten Medizinern nochmals. In Summe gehen die Forscher der UMIT davon aus, dass 170 bis 200 Fachärzte für Innere Medizin mit Additivfach für Hämatologie und internistische Onkologie neu auszubilden sind. Das entspricht in etwa der Hälfte des jetzigen Bestands.

Nötige Maßnahmen

Wenn man die hämatologisch-onkologische Versorgung in Österreich langfristig sicherstellen will, müssen alle Beteiligten – Gesundheitspolitik wie auch Fachgesellschaften und Ärztekammern – große Anstrengungen unternehmen, um junge Ärzte für die Ausbildung im Fach Innere Medizin mit Additivfach für Hämatologie und internistische Onkologie gewinnen.
Darüber hinaus muss dringend gezielte Gesundheitssystemforschung betrieben werden. Denn dieser Wandel wird sich auch auf andere, mit der Diagnose und Behandlung von Krebs befassten, Fachdisziplinen auswirken. Und diese Bereiche wurden von der vorliegenden Studie nicht erfasst.