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26.07.2017

In Memoriam

Univ.-Prof. Prim.em. Dr. Dieter Lutz (8.7.1943 – 20.7.2017)

In der Nacht vom 19. auf 20.7. ist einer der Großen der internistischen Hämatologie-Onkologie Österreichs, Prof. Dr. Dieter Lutz auf seiner geliebten Thomasburg im südlichen Niederösterreich von seiner schweren Erkrankung erlöst worden. Wir verlieren mit ihm einen ehrlichen, aufrichtigen, nicht immer diplomatischen Kämpfer für dieses Gebiet der Inneren Medizin, auch einen Mahner für die persönliche Zuwendung Kranken gegenüber, einen, dem es immer um die „Sache“ ging und nie um einen persönlichen Vorteil.

Dieter Lutz wurde am 8.7.1943 mitten in den Kriegswirren in Wien geboren, wuchs in Baden in einer Arztfamilie auf, sodass er schon in jungen Jahren sehen und erleben konnte, was ärztlicher Einsatz ist und ärztliches Ethos bedeutet. Es war naheliegend, dass er nach der Matura an der Universität Wien Medizin inskribierte. 1968 wurde er zum Dr.med.univ. promoviert. Er begann nicht – wie die meisten seiner Kommilitonen – gleich mit dem Turnus, sondern legte die Schienen für wissenschaftliches Arbeiten und eine akademische Laufbahn: er ging für 1 Jahr nach Freiburg im Breisgau, um am Institut für Biochemie zu arbeiten, anschließend 3 Jahre an das Robert-Koch Institut in Berlin.

1972 trat er in das Wiener Hanuschkrankenhaus ein, wo sein späterer Lehrer und Vorgesetzter, Prof.Dr. A. Stacher, ein Institut für Hämatologie und Leukämieforschung etabliert hatte. Lutz arbeitete dort fast 20 Jahre, unterbrochen wurde diese Zeit nur durch Studienaufenthalte, so z.B. am Institute de Cancerologie et d´immunogenetique, Hospital Paul Brousse in Paris. In diese Zeit fallen auch mehrere Besuche an der Universitätsklinik Innsbruck (Prof.Dr. H.Braunsteiner), wo er sich im hämatologischen Labor (Prof.Dr. H. Huber) für unsere Untersuchungen an B- und T-Lymphozyten interessierte, ein damals neues Gebiet. Damals lernte ich Dieter Lutz als hoch interessierten, kritischen Arzt kennen, unser weiterer Weg führte uns schlussendlich in Linz wieder  zusammen. In der Zeit am Hanuschkrankenhaus organsierte er zusammen mit Stacher internationale Tagungen im Haus der Industrie in Wien, die Einbeziehung vieler osteuropäischer Kollegen war ihm ein besonderes Anliegen, Auch später sollte ihm das Organisieren von Kongressen ein Herzensanliegen bleiben. Viele Ehrungen aus Ungarn, Tschechien und Polen zeigen, welche Wertschätzung er dort genoss. Im Zentrum seiner klinischen- und Forschungstätigkeit waren Leukämien und Lymphome, natürlich auch alle anderen hämatologischen Erkrankungen.

Für uns Außenstehende war er der Motor wissenschaftlichen Arbeitens an diesem Institut, er erhielt für seine Forschungen in den 80-er Jahren auch viele Forschungspreise. 1985 wurde er an der Universität Wien habilitiert, 1990 zum a.o. Universitätsprofessor ernannt. Schon damals war es ihm ein großes Anliegen, zu zeigen, dass Forschung auch außerhalb der Universität erfolgen kann, ja sogar muss, um das kritische Denken junger Ärzte zu fördern. Als 1991 das Krankenhaus der Elisabethinen in Linz eine neue Interne Abteilung mit dem Schwerpunkt Hämatologie-Onkologie gründete, wurde ihm die Leiterstelle überantwortet, die er 17 Jahre lang mit größtem Einsatz und Engagement ausfüllte. Die Tatsache, dass er zwei ihm nahestehende Ärzte aus Wien mitbringen konnte (Dr. O. Krieger und Dr. H. Kasparu) erleichterte ohne Zweifel den Start in Linz. Sein bekannt kommunikatives Talent und sein freundschaftlicher Umgang mit der Kollegenschaft führte auch dazu, dass er sich sehr rasch in das o.ö. Klima des „Miteinander“ einfügte und sich in Linz sehr wohl fühlte. Sein erster Schritt in Linz war der Aufbau einer Stammzell-Transplantationseinheit, die er zuvor schon in Wien aufgebaut hatte und wo ihm seine zwei aus Wien mitgekommenen Mitarbeiter eine große Stütze waren. Ich erinnere mich, dass kurz vor seiner Pensionierung die 500ste Transplantation gefeiert wurde. Er etablierte  in seiner neuen Umgebung auch ein molekularbiologisches Labor im Wissen, dass eine Hämatologie-Onkologie in Zukunft ohne Molekularbiologie nicht funktionieren würde. Die Zusammenarbeit mit seinem Wiener Freund Prof. Dr. P. Bettelheim, der ja auch in Linz angekommen war, war ihm immer besonders wichtig. Auch in Linz forderte er von seinen Mitarbeitern, wissenschaftlich zu arbeiten, er forderte viel von seinen Mitarbeitern, war aber immer selbst ein Vorbild, was Einsatz für die Patienten betraf. Die Zusammenarbeit der 3 großen hämatologisch-onkologischen Abteilungen in Linz, aber auch der anderen Abteilungen im Raum OÖ. war ihm ein großes Anliegen. Viele wissenschaftliche Preise und Auszeichnungen wurden ihm verliehen, dass er auch Ehrendoktor der Universität Pecs war, dürften nur wenige wissen. Dies ist wohl  mit seiner persönlichen Bescheidenheit zu erklären.

Neben seiner klinischen und wissenschaftlichen Arbeit war Prof. Lutz  von Anfang an berufspolitisch interessiert und opferte viel seiner Kraft für Anliegen der Hämatologie-Onkologie: nach seiner Tätigkeit als Sekretär der OeGHO 1985-1991 wurde er 1997 Vizepräsident der Gesellschaft, von 2003 bis 2008 stand er als Präsident der Gesellschaft vor. In diese Zeit fallen fallen z.B. die Festlegung der Ausbildungsstandards für das Fach Hämatologie-Onkologie, die Etablierung des LKF-Systems und vieles mehr. Durch sein offenes Wesen und das Zugehen auf Andere trug er auch ganz wesentlich zur Zusammenarbeit der Deutschen-, Schweizer- und Österreichischen Gesellschaft bei. Sein Organisationstalent kam bei der Organisation gemeinsamer Kongresse vielen von uns sehr zu Gute.

Die OeGHO verliert durch den Tod von Prof. Lutz einen großen Gestalter, viele von uns einen persönlichen Freund, Ärzte und Schwestern einen zwar viel fordernden, aber herzlichen und menschlichen Chef, viele Patienten ihren Arzt, der ihnen in den schwersten Stunden geholfen hat.

Lieber Dieter, wir werden Dich nicht vergessen und verbeugen uns an Deiner Bahre vor Deiner Lebensleistung.

Unsere Anteilnahme gilt Deiner Familie!



Für die OeGHO

Univ.Prof. Dr. G. Michlmayr

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